Tschuldigung auch

•Juli 12, 2009 • 1 Kommentar

Was soll ich sagen, außer ein großes „Sorry“ an meine Leser?

Ich bin nicht verschollen, ich habe nur ein paar unschön turbulente Wochen hinter mir. Nicht nur gab es jobmäßig viel zu tun, sondern auch noch privat Stress und Ärger und von meinem Freund den netten Vorwurf, ich würde meine Patienten mehr lieben als ihn. Gut, vielleicht sollte man darauf nicht antworten „Manchmal!“, aber auch Paartherapeutinnen machen Fehler und eigentlich war’s ja auch als Scherz gemeint, um die Situation zu entspannen…

Der langen Rede kurzer Sinn? Die Sache mit dem Entspannen hat nicht so gut geklappt und jetzt bin ich wieder Single.

Ungewohnt irgendwie…

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Dürfen Sie eigentlich auch Rezepte schreiben?

•Juni 3, 2009 • Schreibe einen Kommentar

Manchmal zweifle ich an meinem Job. Und an meinen Patienten. An einigen zumindest.

Heute ist so ein Tag.

Das Ehepaar C ist seit einiger Zeit bei mir in Therapie, weil es sexuell nicht mehr so klappt wie früher. Die beiden sind seit 8 Jahren verheiratet, er sieht die große 40 nahen und arbeitet schwer an einer Midlife-Crisis. Das ist nicht neu und er ist auch nicht der Einzige meiner Patienten, dem es so geht. Soweit ist an dem Fall nichts Ungewöhnliches. Auch dass Herr C mich um ein Einzelgespräch gebeten hat, ist als normal zu betrachten.

Der Verlauf dieses Gespräches allerdings nicht…

sweetsins: Gut, Herr C, Sie wollten ohne Ihre Frau mit mir sprechen. Worum geht es denn?

Herr C: Ja… ähm… wissen Sie… wir haben ja schon zu dritt darüber gesprochen… ich habe diese Probleme… Sie wissen schon… sexuell…

sweetsins: Ja, Herr C, wie Sie sagten, ist das der Grund für die Paartherapie. Aber das haben wir ja bereits mehrfach mit Ihrer Partnerin gemeinsam durchgesprochen – es gibt sicherlich diesbezüglich noch etwas Weitergehendes, was Sie bewegt?

Herr C: Ja… wissen Sie… früher war das anders… also… auch meine Frau…

sweetsins: Nun, im Laufe einer Beziehung treten immer gewisse Veränderungen ein. Wovon sprechen wir denn genau?

Herr C: Naja… Sie wissen schon…

sweetsins: Nein. Nicht, bevor Sie es mir gesagt haben.

Herr C: Ach, kommen Sie… sexuell… Sie wissen schon…

sweetsins: Herr C, nein, weiß ich nicht. Ich arbeite hart an mir, aber ich tu mich schwer mit dem Gedanken lesen!

Herr C: Naja… Meine Frau… ach… früher… oje, wie soll ich das sagen… Ich fand sie früher einfach… naja… attraktiver!

sweetsins: Ach so. Nun, Sie sind ja schon 8 Jahre verheiratet, da ist es durchaus ein verbreitetes Problem. Der Partner wird einem vertraut, was auf der einen Seite gut ist, aber natürlich dieses anfängliche Prickeln vermindert. Andererseits…

Herr C (unterbricht): Nein, nein… ich meine… naja… weniger… ATTRAKTIV!

sweetsins: Ich bin mir nicht sicher, ob sich Sie verstehe.

Herr C: Ach… Sie wissen schon… körperlich…

sweetsins: Aha. Hat sich Ihre Frau denn in der Zeit Ihrer Ehe verändert? Gewichtszu- oder abnahme? Sonstige drastische Veränderungen des Aussehend?

Herr C: Nein, fast gar nicht… Naja, wir werden ja alle nicht jünger, haha… Aber sonst nicht viel.

sweetsins: Dann weiß ich nicht, worauf Sie hinaus wollen.

Herr C: Vielleicht hat sich einfach mein Geschmack geändert.

sweetsins: Keine Ahnung. Sagen Sie’s mir.

Herr C: Jedenfalls… es läuft nicht mehr wie früher.

sweetsins: Ja, auch darüber haben wir in den Sitzungen mit Ihrer Frau mehrfach gesprochen. Aber was wollen Sie denn nun mit mir allein besprechen?

Herr C: Naja… dürfen Sie eigentlich auch Rezepte schreiben?

sweetsins: Rezepte?

Herr C: Sie wissen schon…

sweetsins: Nein. Immer noch nicht.

Herr C: Naja, die kleinen blauen Pillen…

sweetsins: Viagra.

Herr C: Schhhhhhhhhhh! Nicht so laut!

sweetsins: Herr C, das ist doch kein Grund, sich zu schämen. Übrigens hört uns hier auch niemand. Um aber Ihre Frage zu beantworten: Nein, Viagra darf ich Ihnen nicht verschreiben, da müssen Sie sich an einen Arzt wenden, ich kann Ihnen einen guten Urologen empfehlen, falls Sie einen brauchen.

Herr C: Nein… Das ist ja schade… Wissen Sie, ich glaube, der Arzt versteht das nicht.

sweetsins: Herr C, ich kann Ihnen versichern, Ärzte werden damit häufiger konfrontiert, die verstehen das Problem sehr wohl.

Herr C: Ja… Aber das ist etwas anderes…

sweetsins: Und warum?

Herr C: Naja… das ist ja psychisch.

sweetsins: Ja, das ist es in vielen Fällen.

Herr C: Äh, haben Sie denn dann wenigstens eine Adresse für mich?

sweetsins: Natürlich, ich gebe Ihnen die Karte von einem sehr verständnisvollen Urologen, wenn Sie möchten, kann ich Ihnen auch ein erklärendes Schreiben mitgeben.

Herr C: Nein, von einem Profi…

sweetsins: Ich kann Ihnen versichern, der Urologe ist ein Profi – nicht, dass ich jemals von Amateur-Urologen gehört hätte…

Herr C: Nein… Sie wissen schon…

sweetsins (allmählich genervt): Nein. Wieder einmal nicht.

Herr C: Naja, ein PROFI.

sweetsins: Herr C, können wir nicht EINMAL Klartext reden?

Herr C: Naja, ich muss doch erstmal ausprobieren, ob ich die Pillen überhaupt brauche…

sweetsins: Ich dachte, Ihre Potenzstörung wäre der Grund Ihres Hierseins?

Herr C: Ja… Aber vielleicht ist das ja nur bei meiner Frau so…

sweetsins: Sie meinen jetzt hoffentlich nicht, was ich gerade glaube…

Herr C: Ja… Vielleicht geht ja alles, wenn jemand… naja… WEIß, wo er hinfassen muss.

sweetsins (sarkastisch): Ja… Ich nehme an, Sie haben mehrere Penise?

Herr C: Bitte?

sweetsins: Nichts. Habe ich jetzt richtig verstanden, Sie wollen von mir die Adresse einer Prostituierten? Um auszuprobieren, ob Sie mit einer „Fachfrau“ auch Erektionsstörungen haben?

Herr C (sichtlich erleichtert): Genau.

sweetsins: Herr C, ganz abgesehen davon, dass ich keine Patienten an Prostituierte weiterüberweise, HABE ich auch keine derartigen Adressen in meinem Schreibtisch liegen. Ihr Wunsch ist ein wenig ungewöhnlich. Wenn Sie also eine Prostituierte wollen, empfehle ich den traditionellen Weg, sprich, den Gang in ein Bordell. Ich muss Sie aber als Ihre PAARTHERAPEUTIN darauf hinweisen, dass ich dringend empfehle, so etwas VORHER mit Ihrer Frau zu besprechen!

Herr C: Ach… aber die möchte das bestimmt nicht.

sweetsins: Ein Grund mehr, es mit Ihr zu besprechen. Alles andere wäre dann nämlich Hintergehen und das löst Ihre Beziehungsprobleme auch nicht wirklich.

Herr C: Aber wenn Sie es nicht erfährt?

sweetsins: Herr C, ich bin Paartherapeutin und ich kann Ihnen aus meiner Erfahrung sagen, dass in 90% der Fälle, der Partner IRGENDWIE davon erfährt. Und dass ein solches Verhalten in keiner Weise beziehungsförderlich ist. Ich weiß wirklich nicht, was Sie sich da vorstellen!

Herr C: Aber Viagra hat doch Nebenwirkungen!

sweetsins: Ja. Betrug allerdings auch.

Herr C: Ja… Meinen Sie, man könnte meine Frau überreden, mitzukommen?

sweetsins (entnervt):  Wenn Sie das möchten, können wir das Thema gern in der nächsten Sitzung besprechen.

Herr C: Naja… Können Sie dann sagen, dass es IHRE Idee war?

sweetsins: Nein.

Herr C: Warum nicht?

sweetsins: Weil ich meine Patienten nicht belüge!!!

Herr C: Können Sie dann eine Überweisung ausschreiben?

sweetsins: Zum Urologen?

Herr C: Nein, für meine Frau und mich zu einem Profi?

sweetsins: Herr C, das meinen Sie jetzt nicht ernst!

Herr C: Aber dann würde Sie vielleicht mitgehen!

sweetsins: Ich breche dieses Gespräch jetzt ab.

Herr C: Aber warum denn nicht?

sweetsins: Weil ich Therapeutin bin und keine Kupplerin!!!

Herr C: Aber das würde vielleicht helfen!!!

sweetsins: Herr C, falls Ihre Frau die Scheidung einreicht, werde ich für sie aussagen!

Herr C: Aber dann geben Sie mir wenigstens eine Adresse, oder?

…..

Aua, die xte

•Mai 11, 2009 • 1 Kommentar

Ich muss es hier einmal öffentlich sagen (nicht zuletzt, weil ich oft Patienten habe, die das vergessen):

Sex ist etwas Schönes.

Auch Sex in neuen, ungewohnten oder gar ungewöhnlichen Stellungen ist eine feine Sache. Man darf sich dann allerdings auch nicht wundern, wenn man am nächsten Morgen Museklkater an gänzlich neuen und ungewöhnlichen Stellen hat…

Autsch… 😉

(Mal ehrlich, ich wusste bisher noch nicht mal, dass ich an dieser Stelle Muskeln habe!!!)

Frühling lässt sein blaues Band…

•April 27, 2009 • 1 Kommentar

Zur Zeit weiß ich kaum, wohin vor lauter Arbeit. Ganz im Ernst – man assoziiert den Frühling zwar immer mit Liebe und Romantik, aber tatsächlich haben auch Paartherapeuten Hochkonjunktur, denn der Anblick all der offensiv verliebten Pärchen, kann in manch alteingesessener Beziehung einen gewissen Erwartungsdruck erzeugen und spurt der Partner dann nicht so, wie man es sich in seinen rosaroten Phantasien ausgemalt hat, führt das oft zu den interessantesten Krisen und von dort auf direktem Wege in die Praxis des nächstgelegenen Fachberaters. Mit einer gewissen Häufigkeit auch in meine.

In diesem Fall sind es Herr und Frau B, die der Frühlingshauch in mein Behandlungszimmer weht. Sie sind neue Patienten, ich versuche also erst einmal, ein paar Grundsätzlichkeiten zu erklären.

sweetsins: „Herr und Frau B, eine Paartherapie ist ein roßer Schritt – möchten Sie mir vielleicht zu Anfang sagen, was Sie zu diesem Schritt bewogen hat?“

Schweigen. Das Ehepaar wechselt einen unsicheren Blick.

sweetsins: „Sie müssen nicht schüchtern sein, ich habe hier schon die erstaunlichsten Dinge gehört. Einfach frei von der Leber weg.“

Schweigen. Beide starren konzentriert auf den Boden.

sweetsins: „Okay, so kommen wir nicht weiter. Wer von Ihnen hatte denn die Idee mit der Paartherapie?“

Die beiden sehen sich wieder ängstlich an. Schließlich hebt Frau B langsam die Hand.

sweetsins: „Frau B, Sie müssen sich nicht melden, sprechen Sie einfach frei drauf los. Warum waren Sie der Meinung, dass eine Paartherapie für Sie und Ihren Mann Sinn machen würde?“

Frau B sieht wieder hilfesuchend ihren Mann an, der sich abwendet. Es wird immer besser…

sweetsins: „Hallo, Frau B! Hallo! Sehen Sie bitte MICH an. Nein, nicht zu Ihrem Mann gucken. Schauen Sie mich an. Genau so. Danke. Und jetzt sagen Sie mir bitte, warum Sie auf die Idee mit der Paartherapie gekommen sind. – Nein, Sie werden weiter NUR AUF MICH SCHAUEN. – Also? Warum Paartherapie?“

Frau B starrt mich an wie das Kaninchen die Schlange. Ihre Hände zucken und ihr ganzer Körper schreit nach Flucht. Aber sie starrt mich weiter mit weitaufgerissenen Augen an. Und sagt noch immer nichts. Ich kämpfe das Verlangen nieder, „BUH!“ zu schreien.

sweetsins: „Frau B! Eine Therapie macht keinen Sinn, wenn Sie nicht mit mir reden! Wollen Sie mir erst mal erklären, warum Sie mir Ihre Gründe nicht nennen können? Was macht Ihnen Sorgen? Was hemmt Sie? Geben Sie mir irgendeinen Anhaltspunkt, bitte!“

Frau B starrt mich weite panisch an. Ihre Hände vollführen die erstaunlichsten Bewegungen, ich würde zu gern hingucken und sehen, ob sie sie schon verknotet hat, aber ich fühle mich langsam selbst leicht hypnotisiert von ihrem starren Blick.

Herr B (mit schneidender Stimme): „Du wolltest doch unbedingt hierher, dann erklär Frau sweetsins auch, warum!“

Frau B und ich erschrecken beide. Irgendwie hatte man sich gerade an die Stille gewöhnt, da sagt der Mann plötzlich etwas, wer rechnet denn damit! Immerhin hat sich die Blickverschränkung gelöst, man muss für alles dankbar sein.

sweetsins: „Herr B, Ihre Frau scheint sich sehr unwohl zu fühlen. Vielleicht können Sie mir sagen, warum Sie beide hier bei mir sind?“

Herr B wirft mir einen so finsteren Blick zu, dass ich wetten möchte, die Topfpflanze hinter mir ist spontan eingegangen.

Herr B: „Ich sage dazu gar nichts. Ich wollte nicht hierher. Man muss nicht immer über alles reden.“

Ich fange im Geist an, von 100 rückwärts zu zählen. Patienten anspringen ist böse, nein, nein, das tut man nicht.

sweetsins: „Herr B, diese Haltung halte ich für wenig produktiv. Wenn Sie nicht reden wollen, gut – das hätten Sie dann aber sinnvollerweise mit Ihrer Frau geklärt, ehe dieser Termin vereinbart wurde! Und davon abgesehen – Sie schüchtern Ihre Frau ein. Das ist noch unproduktiver und besonders nett ist es auch nicht! Könnte ich jetzt von einem von Ihnen beiden irgendeine Information erhalten, warum Sie hier sind oder muss ich Gedanken lesen lernen???“

Herr B schaut mich weiter finster an. Frau B starrt unglücklich auf ihre Schuhe. Die Atmosphäre könnte man mittlerweile schneiden.

sweetsins: „Herr und Frau B, ich werde langsam wütend! Wenn jetzt nicht sofort einer von Ihnen IRGENDETWAS SINNVOLLES sagt, können Sie die Praxis verlassen, ich habe auch noch andere Patienten und wirklich keine Zeit für diesen Kinderkram!!!“

Frau B fängt an zu schluchzen. Erst leise, dann zunehmend lauter, irgendwo in ihrem unartikulierten Wimmern glaube ich, die Worte „Niemand liebt mich“ zu hören. Herr B sitzt mit versteinerter Miene neben seiner Frau und macht keinerlei Anstalten, sie zu trösten. Ich zücke die immer bereiten Taschentücher (Merke: Gute Paartherapeuten erkennt man daran, dass sie IMMER Taschentücher griffbereit haben, denn spätestens in jeder 3. Sitzung weint jemand!) und gehe um den Schreibtisch, um mich neben Frau B zu hocken.

sweetsins: „“Oje, Frau B, was ist denn nun los? Hier, nehmen Sie ein Taschentuch. Kommen Sie, sprechen Sie mit mir. Was wühlt Sie denn so auf?“

Frau B putzt sich geräuschvoll die Nase und beginnt dann, das Taschentuch zu falten. Ganz leise wiederholt sie: „Niemand liebt mich.“

sweetsins: „Frau B, das ist doch bestimmt nicht wahr, sagen Sie mir doch bitte, wie Sie auf diese Idee kommen.“

Frau B (schluchzt immer noch): „Es ist doch Frühling!“

sweetsins: „Da stimme ich Ihnen zu. Und…?“

Frau B: „Und da wollte ich, dass mein Mann mal wieder mit mir im Park spazieren geht, so richtig mir Händchen halten und so. Wie die anderen verliebten Paare!“

sweetsins: „Das ist ein durchaus verständlicher Wunsch. Und was ist passiert?“

Frau B: „Er wollte nicht.“

sweetsins: „Herr B, warum wollten Sie denn nicht?“

Herr B (mit einer Stimme, die meiner Topfpflanze den Rest gibt): „Ich war gerade von einer 2wöchigen Geschäftsreise zurückgekommen, es war 19 uhr abends, ich hatte einen 11stündigen Flug hinter mir und wollte nur noch ins Bett.“

sweetsins (verwirrt!): „Und warum sind Sie dann nicht einfach bei anderer Gelegenheit spazieren gegangen?“

Herr B: „Am nächsten Tag hat es geregnet.“

sweetsins: „Ja, aber es wird doch noch ein paar andere Gelegenheiten gegeben haben???“

Herr B: „Der Regentag war vorgestern.“

sweetsins: ???

Herr B: „Als ich den zweiten Tag in Folge nicht spazieren gehen wollte, hat meine Frau diesen Termin gemacht.“

Manchmal zweifle ich ja doch an meinem Job…

Mitfühlende Patienten

•April 22, 2009 • 3 Kommentare

Wahre Geschichte! Ich schwöre, alles, was ich jetzt berichte, ist wirklich so passiert. Ich hätt’s auch kaum glauben können, wär ich nicht dabei gewesen…

Also, trotz meines gestrigen Wachsmassakers war heute natürlich ganz normal Arbeit angesagt (von irgendwas muss ich ja – bei meinem momentanen Talent erst recht – den Arzt bezahlen). Außerdem möchte man meinen, Verletzungen an intimer Stelle würden beim Therapieren nicht so schrecklich stören. Aber was meint man nicht alles…

Anfangs war’s auch wirklich kein Problem – nach längerem Sitzen und warmen Temperaturen merkte ich gegen Mittag dann aber doch, auffällige Schmerzen an unpassender Stelle. Wie praktisch… Gut, jetzt kann ich ja schlecht die Patienten anrufen und mit so einer Erklärung absagen, beschloss also, das Ganze zu ignorieren. Selbes Argument wie mit dem Wachs. Aufgeben ist was für Weicheier. Jaja. Ich bin ja ein bisschen blöd.

Ab meinem 14 Uhr-Termin wurde es dann richtig unangenehm und ich wusste allmählich nicht mehr wirklich, wie ich sitzen sollte. Nutzt aber nichts, denn so wirklich gut kommt es bei den meisten Patienten nicht an, wenn man unmotiviert aufsteht und herumwandert. Die große Mehrheit hat es lieber, wenn man sitzt, sie verständnisvoll anguckt und gelegentlich Notizen macht. Nicht, dass ich mich sonderlich gut auf die Notizen hätte konzentrieren können…

Nun ja, da saß ich also – auf der einen Seite des Tisches ein in Krise befindliches Ehepaar (er will mehr Sex, sie nicht) und auf der anderen Seite des Tisches Ich, so unauffällig wie möglich am Rumhibbeln, in dem verzweifelten Versuch, eine schmerzfreie Position zu finden. Nennen wir die beiden mal Herr und Frau A.

Herr A: „Ich verlange ja gar nicht viel, aber 1-2x im Monat Sex ist mir einfach zu wenig! Und das ja auch nur, wenn meine Frau zufällig will. Da soll ich nämlich zur Verfügung stehen, aber wenn ich will, heißt es ‚Keine Lust!‘ – ich bin doch kein Sportgerät!“

Frau A: „Ja, aber du gibst dir auch keine Mühe – früher hab ich mich begehrt gefühlt, da hast du mir Blumen mitgebracht und im Haushalt mitgeholfen und jetzt machst du gar nichts mehr.“

Herr A: „Ich ARBEITE!“

Frau A: „Dann kannst du ja auf dem Heimweg Blumen mitbringen, dann hab ich auch eher Lust.“

Herr A: „Ich kauf doch nicht jedesmal Blumen, wenn ich Sex will??? Als nächstes legst du eine Preisliste aus, oder wie?!!!“

sweetsins: „Herr A, bitte. Versuchen wir, sachlich zu bleiben.“

Frau A (schreit): „Willst du sagen, ich bin eine Nutte?!!!!!!!!!!!“

sweetsins: „Frau A, für Sie gilt das gleiche. Sachlich, bitte.“

Frau A: „Aber er hat gesagt…!!!!!!!!!!!“

sweetsins: „Er hat sich unglücklich ausgedrückt, Sie sich übrigens auch. Vergessen wir die Blumen doch einfach wieder !“

Frau A (schreit immer noch): „Sie haben doch nur keine Lust, sich mit unserem Problem zu beschäftigen!“

sweetsins: „?????“

Frau A (wird immer lauter): „Glauben Sie bloß nicht, dass ich nicht sehe, wie Sie ungeduldig auf dem Stuhl rumrutschen! Wir sind Ihnen doch völlig egal, nur das Geld, das wollen Sie schon!“

Herr A (auch lauter): „Blamier uns nicht auch noch vor der Therapeutin, was du dir immer einbildest! – Sehen Sie, Frau sweetsins, so macht sie das immer, sie bildet sich irgendwas ein und dann sollen die anderen schuld sein, das ist wie mit den Blumen, ich kann doch nicht jedesmal Blumen…“

sweetsins: „Wir werden jetzt nicht wieder über die Blumen sprechen! Wir…“

Frau A (schreit): „Ja, sprechen wir doch darüber, dass Sie keine Lust haben, uns zu helfen!!!!!“

sweetsins: „Frau A, ich darf doch bitten. Ich würde vorschlagen, Sie beruhigen sich erstmal wieder und dann kommen wir zurück zu Ihrem Problem. Sie sagten, dass Sie sich nicht begehrt fühlen…?“

Frau A: „Tun Sie doch nicht, als ob Sie das interessiert, ich sehe doch, dass Sie’s gar nicht erwarten können, hier rauszukommen!“

sweetsins: „Frau A, das reicht jetzt. Können wir zurück zu Thema kommen?“

Frau A: „Geben Sie doch einfach zu, dass wir Sie langweilen!!!!“

Herr A: „Kannst du nicht mal mit deinem ewigen Genörgel aufhören? Ich bring doch niemanden Blumen mit, der sich nur beschwert, das sind dann eh die falschen und du bist den Rest des Abends beleidigt!“

Frau A: „Weil du nach 8 Jahren Ehe noch immer nicht weißt, was für Blumen ich mag! Du interessierst dich ja auch nicht für mich! Bloß Sex, das interessiert dich!!!“

Herr A: „Das kann keiner ahnen, was du für Blumen magst, das ändert sich nämlich ständig!“

Frau A: „Ja, man schenkt Blumen auch je nach Jahreszeit!!!“

sweetsins: „Können wir nicht mit den Blumen aufhören??? Was ist es denn eigentlich, das Sie stört, Frau A?“

Frau A: „Mich stört, dass SIE nicht zuhören!“

sweetsins: „Frau A, ich höre Sie besser als mir lieb ist…“

Frau A: „…und stll sitzen können Sie auch nicht!!!!!!!!“

Herr A: „Lass die Therapeutin in Ruhe, du steigerst dich bloß wieder in was rein!“

sweetsins: „Wissen Sie, es geht sie ja eigentlich nichts an, aber ich habe gestern versucht, mir die Schambehaarung mit Wachs zu entfernen und dabei einen Großteil Haut abgerissen. Ich kann nicht still sitzen, weil ich Schmerzen habe. Können wir jetzt zurück zu IHREM Problem kommen?“

Herr und Frau A starren mich beide fassungslos an.

Frau A: „Sie haben WAS???“

sweetsins: „Genau das, was Sie verstanden haben. Sprechen wir wieder über Sie beide, Sie sind die Patienten.“

Herr A: „Sie enthaaren sich den Intimbereich?“

sweetsins: „Ja. Hat das irgendetwas mit Ihrem Problem zu tun?“

Herr A (triumphierend zu seiner Frau): „Siehst du, ANDERE Frauen geben sich Mühe!!!“

Frau A: „Die kriegt bestimmt auch Blumen dafür!!!“

Ob ich die beiden retten kann, weiß ich übrigens nicht…

Sweetsins verstümmelt sich selbst – Teil 2

•April 21, 2009 • 2 Kommentare

Vor einiger Zeit habe ich ja an dieser Stelle berichtet, was man sich alles bei der Intimrasur antun kann.

Gut, sowas verheilt ja auch wieder, aber irgendwie ist man dann die nächsten Male deutlich gehemmt. Negative Konditionierung sozusagen. Um dem abzuhelfen, hatte ich eine schlaue Idee: Kaltwachsstreifen! Die hatte ich nämlich beim Aufräumen in den Tiefen meines Badezimmerschranks gefunden – irgendwann letztes Jahr gekauft und dann nie benutzt. Offensichtlich ein Zeichen des Himmels.

Den Aufdruck „Nicht zum Entfernen von Intimbehaarung verwenden“ ignorierte ich hohnlächelnd. Weichei-Blabla. Was soll einem Wachs schon antun, gell????

Also, beherzt den Kaltwachsstreifen aufgelegt, festgedrückt, ein Sekündchen warten und dann *RATSCH!!!!!*

Aua…

Ich mein gut, die Haare waren schon größtenteils weg, aber dass auch ein Großteil Haut mit abgehen würde, hatte mir natürlich keiner gesagt! Jetzt mal im Ernst – wer rechnet denn mit sowas?? Und wieso zum Henker steht das nicht auf der Packung? Ein großer roter Aufdruck wie „Nicht zum Entfernen von Intimbehaarung verwenden – ENTFERNT AUCH HAUT“ wäre doch wohl etwas beeindruckender als nur der erste Teil der Aussage, oder?

Naja, ich will jetzt niemand mit Details langweilen. Sagen wir einfach, es ist ein wenig unangenehm. Ein klitzekleinesbisschenwenig!!!!

Langsam frage ich mich doch, was mir eine höhere Macht damit sagen will. Langhaarfrisur???

Ich bin nicht im Management

•April 15, 2009 • Schreibe einen Kommentar

Schon mal aufgelfallen? Heutzutage managt ja jeder irgendetwas. Früher waren Manager irgendwelche großen unerreichbaren Typen in Highend-Positionen, die ein Schweinegeld verdient haben und dicke Autos fuhren. Heute ist der schöne Begriff „Managment-Gehälter“ zwar immer noch ein Reizwort, weil jeder dabei an die Vorstandsetagen denkt, aber sieht man sich mal um, trifft das ja nicht mehr wirklich zu.

Jeder Büro-Hiwi ist ein „Assistant Manager“, die 400€-Aushilfe an der AL*I-Kasse ist im „Sales-Managment“ und der Typ, der den Gehsteig bohnert, ist vom Hausmeister zum „Facility Manager“ aufgestiegen. Schöne deutsche Sprache…

Aber mein absoluter Favorit unter all diesen Führungschargen ist immer noch ungeschlagen die „Familienmanagerin“. Früher hieß sowas Hausfrau und Mutter, aber das scheint dem Zeitgeist unangemessen zu sein.

Jetzt – ehe mich wieder jemand falsch versteht – ich hab nix gegen Hausfrau und Mutter, das ist ein achtenswerter Beruf / Berufung und auch mit viel Arbeit verbunden. Um Himmels Willen, will ich niemandem absprechen. Was mich nervt, ist allerdings diese Krampf-Nomenklatur als Managerin. Mal im Ernst gefragt: Ist unter meinen Leserinnen eine, die sich selbst als „Familienmanagerin“ bezeichnet? Dann erklärt mir doch mal ganz ernsthaft: Was bringt euch das? Inwieweit kratzt es das Selbstwertgefühl, dass mein seine Kinder jetzt „managt“ anstatt sie zu „erziehen“ (wobei diese Tatsache vielleicht einige der unerzogenen Fratzen erklären könnte, die mir so tagtäglich begegnen!). Inwieweit ist es toller, sich mit diesem schönen Neologismus zu titulieren? Ist es einem eigentlich peinlich, dass man „nur“ Hausfrau und Mutter ist und man braucht ein tolleres Wort dafür? Etikettenschwindel quasi? Und falls das alles nicht zutrifft (was ich gar nicht unbedingt unterstellen will) – WARUM dann dieses Wort? Ehrlich, ich versteh’s nicht. Und mal ganz im Ernst – erfunden hat den schönen neuen Begriff eine Staubsaugerfirma. Mädels, springt euch die Ironie nicht an???

Naja, genug davon. Ich frag’s mich halt einfach. Vielleicht bin ich ja auch nur unterbewusst neidisch, dass ich nichts manage. Mir fällt aber auch nichts ein. Ich mein, soll ich mich – trendgemäß – in Zukunft „Interaktionsmanagerin“ nennen? Und was tun Kollegen, die in anderen psychologischen Sparten arbeiten? „Selbstmordmanagement“? Klingt ja irgendwie zweifelhaft. „Angstmanagement“? „Störungsmanagement“?

Nenene, ich kann mich damit nicht anfreunden. Und mal ehrlich – am Schluss sucht man dann einen kleinsten gemeinsamen Nenner und auf einmal sind wir alle „Seelenmanager“ – und das klingt mir dann doch zu sehr nach einer Außenstelle der Niederhöllen. 😉